Erhöhung des Renteneintrittsalters

Unsere Politiker haben mal wieder zugeschlagen: Das Renteneintrittsalter soll auf 67 Jahre erhöht werden. Wenn ich mir das so recht überlege, ist das echt toll: Ein 67 Jahre alter Gerüstbauer kraxelt in schwindelnder Höhe auf dem Hamburger Michel, ein greiser Möbelpacker, der mit seinem Kollegen eine große Umzugskiste verlädt und dabei kaum noch Luft bekommt oder ein ältlicher Büroangestellter, der in das neue Mega-Media PC-System eingeführt wird und vor lauter Respekt vor der Maschine, nicht wagt einen Knopf zu drücken.
Angesichts der Tatsache, dass es heute immer weniger Leute schaffen bis zum erreichen des Rentenalters zu arbeiten, finde ich diese Überlegung pervers. Die Gründe, warum Menschen heute nicht bis 65 arbeiten sind vielfältig. Häufig handelt es sich um den Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund von Umstrukturierungen. Vor kurzem hörte ich gerade einen Firmenchef voller Stolz sagen: „Wir sind ein ganz junges, dynamisches Team, bei uns ist niemand über 50.“
Man muss also davon ausgehen, dass ein Mensch, der viele Jahre Erfahrung in der täglichen Praxis gewonnen hat, nicht in dieses Team passt. Aber in welches Team passt er dann?
Hierzu kommt mir gerade heute ein neuer Flyer der Agentur für Arbeit in die Hände, der in unserer Firmenpost lag. Hier geht es darum, eben solche Arbeitnehmer mit Subventionen wieder in eine feste Anstellung zu bringen. Die Subventionen kassieren natürlich genau die Firmen, die vorher Teile Ihres Unternehmens ins östliche, europäische Ausland verlegt haben, um so die Produktionskosten zu senken.
Tolle Idee! Zwei Fliegen mit einer Klappe…..
Ein weiterer Grund ist natürlich das Thema Gesundheit. Die Arbeitsbelastung ist in den vergangenen Jahren weiter angestiegen. Wir sind gerade in vielen Branchen dabei die Wochenarbeitszeit wieder anzuheben. Niemand traut sich mehr ernsthaft krank zu werden, jeder hat Angst seinen Job zu verlieren. Der Druck, der sich daraus ergibt, ist für immer mehr Menschen nicht auszuhalten. Sucht- und psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Wir reden hier nicht über eine Erkältung, die in ein paar Tagen wieder auskuriert ist, sondern von Langzeiterkrankungen. Erkrankungen die den Staat und die Krankenkassen jährlich mit Milliarden Kosten belasten.
Das alles wird sich durch die Entscheidung der Politiker, das Rentenalter auf 67 zu erhöhen, nicht verbessern sondern eher das Gegenteil wird eintreten. Wenn ich mir überlege wie viele Menschen das Rentenalter gar nicht erst erreichen und so nicht mehr in den Genuss kommen, ihren Lebensabend in Ruhe ausklingen zu lassen, kommt mir diese Entscheidung wie ein groß angelegter Betrug vor. Ein Betrug an den Arbeitnehmern, die mit ihrem Wissen und ihrem Einsatz die BRD soweit gebracht und daraus ein wirtschaftlich blühendes Land gemacht haben.
Rechtzeitig zur Wahl gibt es immer wieder Diskussionen zum Thema Politik Verdrossenheit der Bürger. Allmählich kann ich Menschen verstehen, die keinen Sinn mehr darin sehen ihr Wahlrecht dafür zu nutzen, mit ihrer Stimme eine Regierung ihres Vertrauens an die Macht zu bringen. Jetzt kann ich Leute verstehen die sagen: „Politik ist wie organisiertes Verbrechen. Jeder stopft sich die Taschen voll so gut er kann.“ Oder um es mit den Worten des Komikers Otto Waalkes zu sagen: “ Hauptsache wir kommen gut rein, sitzen fett drin und brauchen nicht wieder raus.“
Dabei sind einige unserer Politiker tatsächlich einmal Arbeitnehmer gewesen. Leider haben sie in der Zeit ihres politischen Engagements immer mehr den Bezug zur Wirklichkeit und die Erinnerung an jene Zeiten verloren. Politiker des Bundestages brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen, wie sie ihren Lebensabend finanzieren, dafür ist gesorgt.
Gehaltserhöhungen, jeder weiß wie man sich fühlt, wenn man seinen „Boss“ auf eine Gehaltserhöhung anspricht. Politiker brauchen so etwas nicht. Laut Beschluss werden die Diäten erhöht und seltsamerweise sind sich hier die Parteien einig.
Was die Stimmenvergabe angeht, habe ich auch schon einiges Versucht. CDU, SPD, FDP oder die Grünen, ist ohnehin egal wen man wählt. Fällt, wie bei der letzten Wahl geschehen, das Wahlergebnis nicht so eindeutig aus wie gewünscht, wird noch vor Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses über Neuwahlen nachgedacht.
Die Kosten dafür tragen nicht die Parteien oder die Politiker. Nein, das müssen wir schon selber bezahlen. Selbst Schuld, wenn wir so blöd sind und uns nicht entscheiden können.
Was kann man also noch dagegen unternehmen, dass die Politiker uns weiterhin für dumm verkaufen?
Zumindest kann man seine Meinung sagen in der Hoffnung, dass die Menschen endlich einmal aufwachen und unseren Politikern auf die Finger klopfen. Es werden viel zu wenig “unangenehme” Fragen in der Öffentlichkeit gestellt, die unsere gewählten Volksvertreter ins Schwitzen bringen.
Also Leute, traut Euch. Es gibt keine dummen Fragen!!!